der Ziegenfisch

Wintersonnenwende ist die passende Zeit, um den Hüter dieses Iseums, den Ziegenfisch, etwas ausführlicher vorzustellen.

Ziegenfisch modern
Ziegenfisch in moderner Darstelleung                     © Gavin White

Der Ziegenfisch hat den Kopf und die Vorderbeine einer Ziege und den Körper eines Fischs, er ist dem sumerischen Gott Enki eng verbunden.
Enki hat ja eine ganze Reihe von Tier-Tier – und Tier-Mensch-Wesen in seiner Näh, der Ziegenfisch ist sehr häufig dabei. Ab ca. 2100 v. Chr. ist er, oft zusammen mit Enki, auf Abbildungen und Rollsiegeln zu finden. Das Aussehen des Ziegenfischs bleibt das ganze Altertum hindurch etwa gleich.

Enkis Ziegenfisch kommt auch in der babylonischen Himmelskunde vor,er ist Teil des Tierkrieses. Nach ihm war die  Konstellation benannt, die wir heute als Steinbock kennen. Diesen Namen haben die Griechen beigetragen, doch bis in die Zeit der Renaissance blieb neben ´Steinbock` weiterhin ´Ziegenfisch` sehr gebräuchlich.

Hier sei auf das Buch von Gavin White: Babylonian Star-Lore, An Illustrated Guide to the Star-lore and Constellations of Ancient Babylonia, Solaria Publications, London, 2008.
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Lucius Merlin in memoriam

Gerade bin ich auf die E-book-Ausgabe von „Begegnung mit der Göttin“ von Lucius Merlin gestoßen, nachdem die kleine Print-Ausgabe schon seit Jahren vergriffen war!

Niemand in den Berliner Iseen hat noch Gelegenheit gehabt, ihn persönlich kennen zu  lernen, doch wir kennen andere, die ihn kannten: Dr. Günther H. Thomann, (1957 – 2003), Autor, Pfarrer der evangelischen Kirche und frühes Mitglied der Fellowship of Isis.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten galten theologischen Fragen, der Kirchengeschichte, der Erforschung neuer religiöser Bewegungen und kleiner christlicher Kirchen. In der Fellowship of Isis behalten wir ihn mit dem Namen Lucius Merlin als den Verfasser von „Begegnung mit der Göttin – Gedichte und Gebete, Hymnen und Essays“ in dankbarer Erinnerung.

Das Buch ist 2001 im Selbstverlag erschienen, beide Auflagen sind längst vergriffen, doch ist eine e-book-Ausgabe seit 2013 erhältlich.
(einfach „Lucius Merlin“ bei amazon eingeben)

Im Internet ist außerdem die ´Gedankenskizze` von Günther Thomann „Göttinspiritualität in unserer Zeit“ nachzulesen, die ein Freund des Autors nach dessen Tod dort veröffentlicht hat. http://www.stereo-denken.de/thomann.htm

Neuheidentum und NS

Auch ohne einen direkten aktuellen Anlass muss über das Thema „Neuheidentum und Nationalsozialismus“ mindestens einmal auf dieser Seite gesprochen werden, denn es gibt selbst bei den Aufgeschlossenen und Unvoreingenommenen so manche Mutmaßungen dazu.

Ich beziehe mich im Folgenden auf das profunde Buch des britischen Historikers, Religionswissenschaftlers und früheren Direktors des Exeter Centre for the Study of  Esotericism
Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus.
In Großbritannien ist das Buch schon 1985 erschienen, aber erst seit 1997 ist es auch auf Deutsch erhältlich!

Nationalsozialismus und Neuheidentum

Die nationalsozialistische Bewegung hat sich in ihrem Erscheinungsbild und ihren Reden kräftig bei der germanischen Mythologie und den Runen bedient, das weiß jeder. Hitler selbst hatte in seinen frühen Jahren Kontakte zu esoterischen Gruppen, das ist ebenfalls ziemlich bekannt. Er unterhielt diese Kontakte aber ausschließlich in seinen frühen Jahren, später nicht mehr, er war ein Machtmensch, kein Mystiker oder Magier. Der Geistliche, Publizist, Ariosoph und Hochstapler Jörg Lanz (genannt „von Liebenfels“) inszenierte sich von den 1920er Jahren an bis weit in die Nachkriegszeit als Ideengeber und Wegbereiter Hitlers, was aber von der neueren Forschung (Joachim Fest u.a.) eher skeptisch beurteilt wird. Lans` Karriere im Nationalsozialismus war außerdem 1941 schon beendet, er erhielt Publikationsverbot.

Derjenige in der NS-Führungsriege, der magischem und esoterischem Gedankengut am stärksten zuneigte, war Himmler. Er selbst verfügte aber über keine spirituelle Grundbildung, er hielt sich dafür einen privaten „Magus“, Karl Maria Wiligut alias Weisthor. Doch auch dessen Karriere im Rasse- und Siedlungshauptamt und sein Einfluss auf die Bewegung blieben begrenzt, weil er 1939 aus der SS austreten musste, als sein Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt (1924-1927) sowie sein Alkohol- und Medikamentenmissbrauch bekannt wurden. Die Rituale, die bei der SS zelebriert wurden, hatte im Wesentlichen er gestaltet. Nach dem, was wir über die Ritualpraxis der SS wissen, war und blieb sie aber in magischer Hinsicht dürftig.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nach der Machtergreifung auch die naturreligiösen, völkisch-okkultistischen, nordisch-religiösen, etc. Gruppen ausgeschaltet wurden. Ihre führenden Mitglieder wurden kaltgestellt, Repressalien ausgesetzt, eingesperrt, verleumdet, sofern sie nicht in die NSDAP eintraten. Und die, die eingetreten sind, brachten es in der Partei nicht zu nennenswertem Einfluss.

Die Mitglieder all dieser Gruppen sind nicht durch aktiven Widerstand hervorgetreten, sie nahmen aber auch keine besondere Unterstützerrolle im Nationalsozialismus ein. Sie  verhielten sich genauso wie die Mitglieder vieler anderer Gruppen auch: sie versuchten unauffällig zu bleiben.

In den Anfangsjahren der Bundesrepublik hat seitens Splittergruppen mit nationalsozialistischem Weltbild nochmal Bemühungen gegeben, sich mit kleinen völkisch-paganen Gruppen zusammenzutun. Es ist nichts von historischer Relevanz daraus entstanden, die Zeit ist darüber hinweggegangen. Und für die Rechtsextremisten in ihren heutigen Erscheinungs- und Organisationsformen ist der aller größte Teil der neuheidnische Szene nicht brauchbar, sie denkt nämlich eher basisdemokratisch und ökologisch, sie bevorzugt, wenn es um Organisationen geht, äußerst flache Hierarchien.

Siehe auch ausführlich bei wikipedia:
Lanz von Liebenfels:
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Lanz_von_Liebenfels

und Karl Maria Wiligut:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Maria_Wiligut