Beltane 2015

Beltane-Gedicht

     Wiegt euch im Wind – ein Gedicht zur Beltane-Feier
von Judit Lichtenberg © 2015

Die Göttin singt:

Wiegt euch im Wind, meine Töchter, wiegt euch im Wind.
Der Wind soll euch kosen, er soll euch streicheln.
Umarmen soll er euch.
Spürt den Wind, wie er euch bewegen will.
Spürt den Wind, wie er euch bewegt.

Grabt die Füße in meinen Leib, meine Töchter, und wiegt euch im Wind.
Habt Vertrauen in ihn, er bringt euch das Neue.
Hebt das Gesicht zur Sonne, meine Töchter, und wiegt euch im Wind.

Lasst die Erstarrung des Winters fahren, ihr Schönen, und wiegt euch im Wind.
Nährt euch von der Kraft eurer Mutter, mein Leib gehört euch.
Nun, da mein Leib gestärkt ist vom langen Schlaf,
Nun, da meine Kraft aufsteigt, tut wie alle Wesen tun:
Nährt euch von der Kraft eurer Mutter.

Ich gebe gerne. Ich nähre gerne. Ich liebe euren Anblick, wenn ihr euch stärkt.
Euer Strahlen, wenn ihr euch sättigt, eure wohlige Schläfrigkeit,
Wenn ihr alles genommen habt, wessen ihr bedürft und begehrt.

Euer Leib sei Freude. Euer Leib sei Neubeginn. Euer Leib sei euch ein Wohlgefallen.
Hört euer Herz klopfen und euer Blut singen. Spürt und liebt die Zartheit eurer Haut.
Ihr seid meine Schöpfung.
Ich habe sie erschaffen in Gesang, ich habe sie getanzt.  Ich habe sie geträumt.
Ihr seid mir ein Wohlgefallen.

Verschmäht nicht, was ich euch gab. Erhaltet und pflegt es.
Nehmt meine Kraft, meine Töchter, esst, tanzt, singt und seid trunken.

So will ich es. So ist es gedacht. Wehrt euch nicht gegen eure Mutter.
Wehrt euch nicht gegen das Leben, das ich euch gab.

Lasst die Kontrolle gehen. Lasst die Bedenken los.
Vergesst eure Selbstbeschränkung.  Damit dient ihr mir nicht.
Ihr dient mir nicht mit Kleinheit. Ihr dient mir nicht mit Verzagtheit und Misstrauen.
Ihr dient mir nicht mit Verzicht. Noch dient ihr mir mit Gehorsam. Oder mit Dienst.

Ich brauche eure Verehrung nicht. Ich bin größer als das.
Ich brauche euer Dienen nicht. Ich bin größer als das.
Ich brauche euch nicht. Ich liebe euch.
Ihr seid die Kinder, ich bin die Mutter.
Ich sorge für euch.
Dreht das nicht um. So groß seid ihr nicht.

Jetzt im Frühling geht nicht in euch. Geht aus euch heraus.

Und dann – wiegt euch im Wind, meine Töchter, wiegt euch im Wind.
Lasst den Winter los. Lasst nun alles Kalte und Starre los.
Lasst alles Vertrocknete und Verkrampfte los.
Lasst die Kleinmütigkeit los und die Angst.
Lasst alle Bedenken los und nährt euch!